Über 200 Millionen Euro Umsatz, rund 350 lokalisierte Onlineshops und mehr als zwei Millionen versendete Pakete jährlich: niceshops zählt zu den beeindruckenden E-Commerce-Erfolgsgeschichten Österreichs. Doch hinter diesen Zahlen steckt nicht nur eine Geschichte von Wachstum, sondern auch von wirtschaftlichen Krisen, schwierigen Entscheidungen und einem außergewöhnlichen Verständnis von Unternehmenskultur.
Im E-Commerce Inspiration Podcast spricht Thomas Leskowsky mit Roland Fink, Gründer von niceshops, über die Entwicklung vom kleinen Onlineshop zum internationalen E-Commerce-Unternehmen, die Herausforderungen nach dem Corona-Boom und die Frage, wie sich Händler langfristig gegen Plattformen wie Amazon behaupten können.
Wir haben die drei wichtigsten Key Learnings aus dem Gespräch für dich zusammengefasst.
1. Umsatz ist nicht alles: Warum profitables Wachstum wichtiger ist als Größe
Die Geschichte von niceshops beginnt mit einem einzigen Onlineshop: Vitalabo. Was ursprünglich mit Nahrungsergänzungsmitteln und wenigen täglich verschickten Paketen startete, entwickelte sich über die Jahre zu einem internationalen E-Commerce-Unternehmen.
Während der Corona-Pandemie erlebte niceshops einen enormen Wachstumsschub. Das Bestellvolumen verdoppelte sich zeitweise. Doch die eigentliche Herausforderung folgte erst danach.
Gestörte Lieferketten, verspätete Warenlieferungen und doppelte Bestellungen führten zu einem massiven Überangebot in bestimmten Produktkategorien. Besonders betroffen waren unter anderem Pools und E-Bikes.
Roland Fink beschreibt im Podcast, wie der Deckungsbeitrag 1 bei Pools um zehn Prozentpunkte zurückging. Was zunächst nach einer überschaubaren Veränderung klingt, kann für einen Onlinehändler existenzbedrohend sein.
Denn ob du mit einem Produkt 30 % oder nur noch 20 % Deckungsbeitrag erwirtschaftest, macht einen gewaltigen Unterschied.
Obwohl niceshops zunächst weiterhin hohe Umsätze erzielte, schrieb das Unternehmen Verluste. Die Konsequenz war eine umfassende Restrukturierung. Unprofitable Sortimente wurden reduziert, Bankvereinbarungen getroffen und rund 80 Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen.
Heute berichtet Fink von einem Unternehmen, das wieder über 200 Millionen Euro Umsatz erzielt und dabei auch wirtschaftlich erfolgreich arbeitet.
Was kannst du daraus lernen?
Gerade im E-Commerce wird Wachstum häufig mit Erfolg gleichgesetzt. Mehr Umsatz, mehr Bestellungen und mehr Marktanteile wirken auf den ersten Blick wie die richtigen Ziele.
Doch entscheidend ist, was nach Produktkosten, Marketing, Logistik und weiteren Aufwendungen tatsächlich übrig bleibt.
Für deinen Onlineshop bedeutet das:
Analysiere regelmäßig die Deckungsbeiträge deiner Produkte und Kategorien.
Hinterfrage, ob zusätzliche Umsätze tatsächlich zusätzlichen Gewinn bringen.
Behalte Lagerbestände und Kapitalbindung im Blick.
Habe den Mut, dich von unprofitablen Sortimenten zu trennen.
Das wichtigste Learning: Ein großer Onlineshop ist nicht automatisch ein erfolgreicher Onlineshop. Nachhaltige Profitabilität ist wichtiger als Wachstum um jeden Preis.
2. Gegen Amazon gewinnen? Mit Spezialisierung, Sortimentstiefe und echtem Expertenwissen
Wie können sich eigenständige Onlineshops gegen einen Giganten wie Amazon behaupten?
Eine Frage, die viele Onlinehändler beschäftigt und die Roland Fink anhand von 3DJake, einem der erfolgreichsten Shops von niceshops, beantwortet.
Der auf 3D-Druck spezialisierte Onlineshop erwirtschaftet laut Fink rund 40 % des gesamten Unternehmensumsatzes. Sein Erfolgsrezept liegt nicht darin, Amazon in sämtlichen Bereichen zu kopieren, sondern Kund in einer bestimmten Produktkategorie einen echten Mehrwert zu bieten.
Dabei spielen vier Faktoren eine wesentliche Rolle:
Sortimentstiefe: 3DJake bietet in seinem Spezialgebiet laut Fink teilweise eine größere Produktauswahl als Amazon.
Produktverfügbarkeit: Ein breites und gut verfügbares Sortiment erleichtert Kund die Kaufentscheidung.
Expertenberatung: Während große Plattformen besonders bei Retouren und Rückerstattungen überzeugen, können spezialisierte Händler zusätzlich konkrete Produktprobleme lösen und fachlich beraten.
Benutzerfreundlichkeit: Eine auf die jeweilige Produktkategorie zugeschnittene Navigation hilft Kund dabei, schneller das passende Produkt zu finden.
Roland Fink macht deutlich, dass erfolgreicher E-Commerce nicht von einer einzigen Maßnahme abhängt. Vielmehr müssen zahlreiche Faktoren zusammenspielen – vom Checkout über den Versand bis zum Produktversprechen.
Was kannst du daraus lernen?
Du musst nicht der größte Händler sein, um erfolgreich zu verkaufen.
Gerade kleinere und mittelständische Onlineshops können durch Spezialisierung Vorteile aufbauen, die große Marktplätze nicht immer in derselben Tiefe bieten.
Stell dir deshalb folgende Fragen:
Bietest du deinen Kund mehr Fachwissen als deine Konkurrenz?
Ist dein Sortiment auf die tatsächlichen Bedürfnisse deiner Zielgruppe abgestimmt?
Können Kund bei dir einfacher das passende Produkt finden?
Welchen Mehrwert bietest du, der über den günstigsten Preis hinausgeht?
Das wichtigste Learning: Versuche nicht, Amazon zu kopieren. Werde in deiner Nische zur ersten Anlaufstelle für deine Kund.
3. Mitarbeiterzufriedenheit ist kein Luxus, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor
Ein besonders spannender Teil des Gesprächs dreht sich um die Unternehmenskultur von niceshops.
Roland Fink verfolgt dabei einen einfachen Grundgedanken: Das Arbeitsumfeld soll so gestaltet sein, dass Mitarbeiter am Abend möglichst zufrieden nach Hause gehen.
Dafür investiert niceshops unter anderem in kostenlose Mittagessen und Getränke, Kinderbetreuung, vergünstigte Massagen und Gesundheitsangebote.
Was zunächst nach großzügigen Zusatzleistungen klingt, hat für Fink einen klaren wirtschaftlichen Hintergrund.
Seine Überzeugung: Menschen können besonders gute Leistungen erbringen, wenn sie in einem optimalen Umfeld arbeiten.
Ein gemeinsames Mittagessen fördert beispielsweise den informellen Austausch und reduziert zusätzlichen Kommunikationsaufwand. Gesundheitsangebote können wiederum dazu beitragen, Krankenstände zu reduzieren.
Im Podcast nennt Fink eine bemerkenswerte Zahl: Die Krankenstände bei niceshops liegen seinen Angaben zufolge rund 50 % unter dem österreichischen Durchschnitt. Den wirtschaftlichen Vorteil beziffert er bei einer Belegschaft von rund 440 Personen auf etwa 1,8 Millionen Euro.
Dabei geht es nicht ausschließlich um Benefits. Fink betont auch, wie wichtig es ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die in ihren jeweiligen Fachgebieten mehr wissen als man selbst.
Gute Führung bedeutet für ihn deshalb auch, Verantwortung abzugeben, Expertise anzunehmen und das eigene Ego nicht in den Mittelpunkt zu stellen.
Was kannst du daraus lernen?
Mitarbeiterzufriedenheit sollte nicht nur als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet werden.
Ein gutes Arbeitsumfeld kann sich positiv auf Produktivität, Zusammenarbeit, Mitarbeiterbindung und Krankenstände auswirken.
Dafür brauchst du nicht zwangsläufig ein großes Budget. Auch kleinere E-Commerce-Unternehmen können durch transparente Kommunikation, flexible Arbeitsbedingungen, Vertrauen und echte Wertschätzung viel bewirken.
Entscheidend ist, dass Maßnahmen zu den Bedürfnissen deines Teams passen und tatsächlich einen Mehrwert schaffen.
Das wichtigste Learning: Eine gute Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg sind keine Gegensätze. Richtig umgesetzt können sie sich gegenseitig verstärken.
Fazit: Was Onlinehändler von Roland Fink lernen können
Die Geschichte von niceshops zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiger Erfolg im E-Commerce weit über Umsatzwachstum und technische Optimierungen hinausgeht.
Drei Erkenntnisse bleiben aus dem Gespräch besonders hängen:
Profitabilität vor Umsatzwachstum: Entscheidend ist nicht, wie viel du verkaufst, sondern wie wirtschaftlich dein Geschäftsmodell funktioniert.
Spezialisierung statt Austauschbarkeit: Tiefes Produktwissen, ein passendes Sortiment und echte Beratung schaffen Vorteile gegenüber großen Marktplätzen.
Menschen als Erfolgsfaktor: Ein gutes Arbeitsumfeld ist nicht nur eine Frage der Unternehmenskultur, sondern kann auch wirtschaftlich sinnvoll sein.
Darüber hinaus spricht Roland Fink über die Zukunft des Onlinehandels, die Rolle künstlicher Intelligenz beim Einkaufen und neue Geschäftsmöglichkeiten rund um Logistik und zusätzliche Dienstleistungen.
Seine persönliche Haltung zieht sich dabei durch das gesamte Gespräch: Veränderungen gehören zum Unternehmertum dazu. Entscheidend ist, Herausforderungen anzunehmen, aus Krisen zu lernen und sich immer wieder weiterzuentwickeln.
Jetzt die ganze Podcastfolge anhören!
Du möchtest erfahren, wie Roland Fink niceshops aufgebaut hat, welche Entscheidungen das Unternehmen durch seine schwierigste Phase gebracht haben und welche Chancen er für die Zukunft des E-Commerce sieht?
Dann hör dir die vollständige Folge des E-Commerce Inspiration Podcasts mit Thomas Leskowsky und Roland Fink an.
Du findest den Podcast auf:
Spotify: https://open.spotify.com/show/5j14BOjF2fJYRUWR8TFOkp
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