Podcastfolge #075 mit Marcus Ihlenfeld
„Alle guten Dinge passieren ungeplant.“
Dieser Satz von Marcus Ihlenfeld beschreibt die Entstehung von woom eigentlich ziemlich gut.
Kein großer Businessplan. Kein perfekt vorbereitetes Start-up. Und schon gar keine Produktionshalle mit 50 Mitarbeiter.
Stattdessen: zwei Typen, kleine Kinder, eine Idee für ein besseres Kinderfahrrad – und eine Garage in Wien.
Heute ist woom international erfolgreich. Laut Marcus wurden seit dem Start insgesamt über 800 Millionen Euro Umsatz mit Kinderfahrrädern erzielt.
Aber genau diese Zahl ist vielleicht der uninteressanteste Teil der Geschichte.
Denn viel spannender ist, was zwischen Garage und Weltmarktführer passiert ist.
Learning #1:
Du musst nicht ready sein
Eine der Fragen, die Marcus heute besonders häufig von Gründer hört:
Wann soll ich mit meinem Produkt auf den Markt gehen?
Seine Antwort darauf hat mir besonders gut gefallen:
Wenn du dich komplett ready fühlst, bist du wahrscheinlich zu spät.
Viele Gründer verstecken sich hinter ihrem Produkt. Noch eine Funktion. Noch eine Verbesserung. Noch ein Prototyp.
Denn solange niemand das Produkt kaufen kann, kann auch niemand Nein sagen.
Marcus sieht genau darin eine Gefahr.
Natürlich soll das Produkt nicht völlig unfertig sein. Aber beim Launch darf es sich ruhig ein bisschen unangenehm anfühlen.
Denn die Realität beginnt erst, wenn echte Kund entscheiden.
Learning #2:
Stell Leute ein, die ein Stück weiter sind als du
Marcus und Christian haben bei woom vieles selbst gelernt.
Webshop. Customer Service. Produktion. Logistik. Marketing.
Das führte auch zu Entscheidungen, über die Marcus heute ziemlich offen lachen kann.
Eine davon: eine hart programmierte Website, bei der selbst ein einfacher A/B-Test plötzlich Tausende Euro kosten konnte.
Sein Learning daraus?
Hol dir früher Menschen ins Unternehmen, die wissen, was sie tun.
Aber auch hier gibt es einen wichtigen Unterschied.
Ein Start-up mit fünf Leuten braucht nicht unbedingt jemanden, der aus einem Konzern kommt und dort ein Team von Hunderten Personen geführt hat.
Marcus sucht heute lieber Menschen, die ungefähr ein bis zwei Jahre vor dem aktuellen Entwicklungsstand des Unternehmens liegen.
Erfahren genug, um zu wissen, was als Nächstes kommt.
Aber noch hands-on genug, um selbst die Ärmel hochzukrempeln.
Learning #3:
Der Exit ist nicht automatisch das Ziel
2023 zog sich Marcus gemeinsam mit seinem Co-Founder aus dem operativen Geschäft bei woom zurück.
Und dann?
Sechs Monate später wurde ihnen langweilig.
Also ging es wieder los.
Gemeinsam entstand PopTop. Danach Sounds Like a Plan. Und weitere Projekte sind bereits in Arbeit.
Warum tut man sich das nach einem erfolgreichen Unternehmensaufbau noch einmal an?
Weil offenbar nicht das Ankommen der spannende Teil ist.
Sondern das Bauen.
Marcus vergleicht Unternehmertum im Gespräch sinngemäß mit einem Abenteuer: Eine Gruppe steigt gemeinsam auf ein Schiff, weiß ungefähr, wohin sie möchte – aber nicht genau, was unterwegs passieren wird.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
„Gemma.“
Am Ende der Folge bleibt deshalb weniger eine perfekte Business-Formel hängen als eine Einstellung.
Nicht fünf Jahre überlegen.
Nicht darauf warten, dass jemand anderes die eigenen Probleme löst.
Nicht ständig mit den vermeintlichen Erfolgen anderer auf Social Media vergleichen.
Sondern anfangen.
Einen ersten Prototyp bauen.
Die ersten Kund fragen.
Fehler machen.
Lernen.
Weitermachen.
Oder wie Marcus es wesentlich kürzer formuliert:
„Gemma.“
Die komplette Geschichte – von der Garage über woom bis zu Marcus‘ heutigen Projekten – gibt es in der neuen Folge des E-Commerce Inspiration Podcasts.