Warum refurbished irgendwann keine Erklärung mehr brauchen sollte
Vor drei Jahren war Kilian Kaminski schon einmal bei uns im Podcast. Seitdem ist einiges passiert.
refurbed ist gewachsen, internationaler geworden und verkauft längst nicht mehr nur Smartphones und Laptops. Heute reicht das Sortiment von Kaffeemaschinen und Staubsaugern über Sportequipment bis zu Musikinstrumenten.
Aber eine Zahl aus unserem Gespräch zeigt die Entwicklung besonders gut: Aus rund sieben europäischen Märkten wurden mittlerweile 24.
Und genau darüber wollte ich mit Kilian sprechen: Was lernt man eigentlich, wenn aus einer guten Idee langsam ein europäisches Unternehmen wird?
Learning #1:
Aus jedem Launch muss der Nächste besser werden
Neue Länder werden bei refurbed nicht einfach nach demselben Schema gelauncht und anschließend abgehakt.
Nach jeder Expansion gibt es eine Retro: Was hat funktioniert? Was nicht? Welche Marketingbotschaft kam an? Wo lagen wir daneben?
Diese Erkenntnisse landen im sogenannten „Expansion Playbook“.
Ein schönes Beispiel dafür ist Polen. Der Markt funktionierte beim ersten Anlauf nicht wie erhofft. Statt das Land für immer abzuschreiben, sammelte das Team Erfahrungen, änderte seinen Ansatz – und startete Jahre später erneut durch.
Heute läuft Polen laut Kilian richtig gut.
Das Learning dahinter lässt sich auf fast jedes E-Commerce-Unternehmen übertragen: Ein Experiment, das heute scheitert, muss nicht automatisch eine schlechte Idee gewesen sein. Vielleicht waren Timing, Kommunikation oder Rahmenbedingungen einfach noch nicht richtig.
Learning #2:
Wachstum bedeutet auch, Dinge wieder einzustampfen
Nicht jede Expansion war eine Erfolgsgeschichte.
refurbed wagte beispielsweise einen Ausflug in die Fashion-Welt. Die Idee klang spannend: Wenn refurbished Elektronik funktioniert, warum nicht auch nachhaltige Fashion?
Die Antwort der Kund:innen war relativ eindeutig: Es passte nicht.
Fashion verschwand wieder.
Und genau darin steckt vielleicht eines der spannendsten Learnings unseres Gesprächs. Kilian beschreibt refurbed als extrem datengetriebenes Unternehmen. Trotzdem hat er in den vergangenen Jahren gelernt, stärker auf sein Bauchgefühl zu hören.
Wenn etwas über längere Zeit nicht passt, sollte man nicht zwanghaft daran festhalten, nur weil man bereits Zeit, Geld und Energie investiert hat.
Manchmal ist Aufhören die bessere unternehmerische Entscheidung.
Learning #3:
Die eigentliche Chance ist größer als Smartphones
Vielleicht kennt ihr refurbed vor allem von Smartphones oder Laptops.
Das soll sich ändern.
Kilian erzählte mir von einem „Refurb House“, das das Team in München aufgebaut hat. Ein komplettes Haus voller refurbished Produkte – vom Küchengerät über Sportequipment bis zum Kinderfahrrad.
Die Idee dahinter ist simpel: Warum sollten wir Kreislaufwirtschaft auf Smartphones beschränken?
Kilians Vision geht entsprechend weiter: Irgendwann soll in jedem europäischen Haushalt zumindest ein refurbished Produkt stehen.
Noch spannender finde ich aber einen anderen Gedanken aus unserem Gespräch.
In ein paar Jahren möchte Kilian gar nicht mehr erklären müssen, warum jemand refurbished kaufen sollte.
Die Frage soll nicht mehr lauten:
„Soll ich refurbished kaufen?“
Sondern:
„Welches refurbished Produkt kaufe ich?“
Wenn das gelingt, wäre Kreislaufwirtschaft nicht mehr die nachhaltige Alternative zum normalen Konsum.
Sie wäre normaler Konsum.
Und vielleicht sitzen Kilian und ich 2029 tatsächlich wieder gemeinsam vor dem Mikrofon – diesmal in einem Refurb House – und wundern uns darüber, warum wir darüber 2026 überhaupt noch diskutieren mussten.
Die komplette Folge mit Kilian Kaminski gibt es jetzt im E-Commerce Inspiration Podcast.