E-Commerce News & Blog

E-Commerce Fachbeitrag Juli 2026

In diesem Fachbeitrag werden relevante Ereignisse und Informationen des Monats Juli für die E-Commerce Branche zusammengefasst.

Erfolgsgeschichte aus Österreich: Niceshops zeigt, dass nachhaltiges Wachstum auch nach einer Krise möglich ist

Während viele Schlagzeilen im E-Commerce derzeit von Temu, Shein oder neuen Regulierungen dominiert werden, gibt es auch positive Nachrichten aus Österreich.

Niceshops investiert weiter in den Standort Steiermark und kauft 23.000 m² zusätzliche Fläche direkt neben dem Hauptstandort in Saaz.

Warum das bemerkenswert ist:

  • 2025 war das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte.
  • 169 Mio. € Umsatz
  • 8 Mio. € EBITDA
  • rund 2 Millionen versendete Pakete
  • Versand in 80 Länder
  • 88 % Exportquote

Das Beeindruckende daran:

Noch 2024 kämpfte Niceshops mit einer schwierigen Phase und musste Personal abbauen. Nur kurze Zeit später investiert das Unternehmen wieder massiv in den Ausbau des Standorts und plant 50 neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig werden Robotik- und Automatisierungslösungen eingeführt – allerdings bewusst als Unterstützung für Mitarbeiter und nicht als vollständiger Ersatz.

Warum diese Geschichte relevant ist

Für mich steckt darin eine wichtige Botschaft:

Viele Unternehmen sprechen momentan nur über Krisen.

Niceshops zeigt dagegen, dass Restrukturierung und Wachstum kein Widerspruch sein müssen.

Nach schwierigen Entscheidungen wurde wieder profitables Wachstum aufgebaut – und genau dieses Kapital wird nun in:

  • neue Lagerkapazitäten,
  • Automatisierung,
  • zusätzliche Arbeitsplätze,
  • Internationalisierung
  • und den österreichischen Standort

investiert.

Gerade im österreichischen E-Commerce gibt es nicht viele Unternehmen, die in dieser Größenordnung international erfolgreich sind.

Drei Learnings für Onlinehändler

1. Profitabilität vor blindem Wachstum

Wachstum ist nur dann nachhaltig, wenn das Geschäftsmodell langfristig Geld verdient.

2. Automatisierung bedeutet Unterstützung – nicht zwingend Personalabbau

Robotik wird dort eingesetzt, wo repetitive Prozesse entlastet werden können.

3. Regional investieren kann ein Wettbewerbsvorteil sein

Statt Logistik immer weiter auszulagern, bündelt Niceshops Prozesse bewusst wieder an einem Standort. Kürzere Wege bedeuten geringere Kosten und oft auch schnellere Abläufe.

Neue Abgaben und regulatorische Änderungen

Zwei‑Euro‑Paketabgabe

In Österreich plant die Regierung ab 1. Oktober 2026 eine Paketabgabe von 2 Euro pro an Verbraucher:innen zugestelltem Paket. Die Abgabe betrifft nur Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 200 Millionen Euro (ursprünglich waren 100 Millionen Euro vorgesehen). Erwartet wird ein jährlicher Ertrag von rund 280 Millionen Euro. Die Steuer soll große Plattformen wie Amazon, Zalando und Temu treffen; lokale Onlinehändler bleiben aufgrund der hohen Umsatzschwelle außen vor. Unklar ist, wie die Umsatzgrenze berechnet wird und ob Marktplatzhändler zusammen mit dem Plattformumsatz betrachtet werden. Click & Collect sowie Essenslieferungen sind ausgenommen.

Drei‑Euro‑Importabgabe auf Nicht‑EU‑Pakete

Die EU‑Finanzminister einigten sich im Dezember 2025 darauf, dass Pakete mit einem Wert unter 150 Euro aus Drittstaaten ab 1. Juli 2026 mit einer Importabgabe von drei Euro belegt werden. Diese Übergangsmaßnahme gilt bis 2028 und soll den unfairen Wettbewerb durch sehr günstige Importe einschränken; 93 % der betroffenen Sendungen kamen 2024 aus China. Nach 2028 wird voraussichtlich die komplette Abschaffung der 150‑Euro‑Freigrenze folgen, womit solche Kleinsendungen reguläre Zölle und Mehrwertsteuer abführen müssen.

Bedeutung für Onlinehändler:innen

Die zwei neuen Abgaben erhöhen die Kosten pro Paket. Große Plattformen werden die Paketabgabe wahrscheinlich an die Kundschaft oder an Marktplatzhändler:innen weitergeben. Für österreichische Händler:innen, die Waren aus Drittstaaten importieren, könnte die EU‑Importabgabe die Beschaffung verteuern und die Lieferzeiten beeinflussen. Andererseits schafft die Maßnahme einen faireren Wettbewerb gegenüber Händlern, die im EU‑Raum steuerpflichtig sind.

Meine Einschätzung: Die Regulierung trifft vor allem globale Player, doch indirekt könnten höhere Versandkosten auch für kleinere Shops spürbar werden. Es lohnt sich, die Logistikkette zu optimieren, alternative Lieferanten im EU‑Raum zu prüfen und bei Preisstrategien die zusätzlichen Gebühren einzuplanen. Gleichzeitig bietet die Debatte Gelegenheit, sich als regionaler Händler mit nachhaltigen Versandlösungen zu positionieren.

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Shopware auf der Überholspur, Model Context Protocol (MCP) schafft großen Schritt in Richtung KI & Agentic Commerce und Schaffen eines eigenen Paymentsystems

Die Shopsoftware Shopware stellte im Juni 2026 eine neue „agentic‑native“ Plattform vor, die KI‑gestützte Shopping‑Agenten in den Verkaufsprozess integriert. Kernpunkte:

  • Model Context Protocol (MCP): ermöglicht KI‑Modellen den sicheren Zugriff auf Geschäftsdaten. Shopware will damit Standard‑APIs ablösen und den Weg zu autonomen Einkäufen ebnen.
  • Shopware Nexus: Middleware, die Daten aus ERP‑, CRM‑ und PIM‑Systemen zusammenführt und so die Integration vereinfacht.
  • Shopware Copilot: ein KI‑Assistent, der im Hintergrund Bestellungen auslösen oder Preise anpassen kann; Rollen und Freigabeschritte stellen sicher, dass Menschen die Kontrolle behalten.
  • Eigene Payment‑Lösung: auf Basis von PayPal startet Shopware eine integrierte Zahlungsabwicklung für Deutschland und Österreich.

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